STIFTUNG RAVENSBURGER VERLAG FINANZIERT SCHULFÖRDERPROJEKT CHANCENWERK IN ULM

Veröffentlicht am 05.12.2016

Mit zunächst 50.000 Euro Anschubfinanzierung fördert die Stiftung Ravensburger Verlag die Initiative "Lernkaskade" des gemeinnützigen Vereins und Trägers der freien Jugendhilfe Chancenwerk e. V. an zwei Ulmer Schulen. Bislang 40 Schüler/innen der Ulrich-von-Ensingen-Gemeinschaftsschule und der Albert-Einstein-Realschule profitieren von gezielter Lernförderung in Kleingruppen durch 30 ältere Schüler/innen und neun Student/innen; eine dritte Schule ist im Gespräch. Es handelt sich nicht um klassischen Nachhilfeunterricht. Aktuell kooperiert der Verein mit 55 Schulen in 25 deutschen Städten von sieben Bundesländern. Der Oberbürgermeister der Stadt Ulm, Gunter Czisch, begrüßte die neue Bildungsinitiative in Ulm als Möglichkeit, kein Kind zu benachteiligen.

Keine Chancengleichheit im deutschen Schulsystem verwirklicht

"Trotz politischer Bemühungen ist es in den vergangenen Jahrzehnten nicht gelungen, den Bildungsverlauf junger Menschen von ihrer sozioökonomischen Herkunft zu trennen. Von der angestrebten Chancengleichheit ist das deutsche Bildungssystem weit entfernt, wenn Bildungsstatus und Einkommen der Eltern über die Zukunftsperspektiven von Kindern entscheiden." Dies sagte der Chancenwerk-Vorsitzende Murat Vural in Ulm zum Start der Bildungsaktivität des überregional tätigen Vereins mit Hauptsitz im nordrhein-westfälischen Castrop-Rauxel. Von der Förderung können alle Schüler/innen profitieren, sowohl Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund als auch deutsche Kinder.
Die studentische Lerntutorin Marsha mit einer Ulmer Gruppe jüngerer Schüler

Bessere Chancengleichheit an Ulmer Schulen erreichen

"Durch diese Bildungsinitiative wird kein Kind aus sozialen Gründen von einer Förderung ausgeschlossen. Stiftungsmittel und Spenden werden gezielt dorthin geleitet, wo das Elternhaus nicht für Nachhilfekosten aufkommen kann und auch keine staatliche Förderung vorgesehen ist", begründet Stiftungsvorsitzende Dorothee Hess-Maier das Engagement der Stiftung Ravensburger Verlag. Die gemeinnützige Stiftung beteiligt sich an dem Projekt mit einer Anschubfinanzierung von 50.000 Euro für das erste Jahr der Ulmer Aktivität. Mit diesem Betrag können nach Auskunft des Chancenwerk-Vorsitzenden Murat Vural im Rahmen des beschriebenen Modells etwa 100 jüngere und 50 ältere Schüler/innen durch Lerntutoren in ihrer schulischen Entwicklung gefördert werden.
(v. l. n. r.) Andrea Puschhof (Chancenwerk), Murat Vural (Chancenwerk), Markus Schneider (Albert-Einstein-Realschule Ulm), Dorothee Hess-Maier (Stiftung Ravensburger Verlag), Eva Obermeier (Chancenwerk)
(v. l. n. r.) Andrea Puschhof (Chancenwerk), Murat Vural (Chancenwerk), Markus Schneider (Albert-Einstein-Realschule Ulm), Dorothee Hess-Maier (Stiftung Ravensburger Verlag), Eva Obermeier (Chancenwerk)

Oberbürgermeister Czisch: "Bildung darf kein Kind benachteiligen"

Der Oberbürgermeister der Stadt Ulm, Gunter Czisch, begrüßte die neue Bildungsinitiative. Er sagte: "Herkunft und Einkommen der Eltern entscheiden bis heute darüber, welche Zukunftsperspektiven ihre Kinder haben. Für Kinder aus sozial schwachen Schichten ist das fatal. Wir wollen, dass alle Kinder die Chance bekommen, sich zu entfalten und etwas aus sich zu machen. Dabei sind Vorbilder wichtig. Der Verein Chancenwerk setzt darauf."
(v. l. n. r.) Stiftungsvorstand Dorothee Hess-Maier, Oberbürgermeister der Stadt Ulm Gunther Czisch, Chancenwerk Vorsitzender Murat Vural.

Lerntutoren in Ulrich-von-Ensingen- und in Albert-Einstein-Schule

In der Ulrich-von-Ensingen-Gemeinschaftsschule und der Albert-Einstein-Realschule in Ulm haben Kinder der Jahrgangsstufen 5 bis 8 ihre Arbeit in Lernförderkursen aufgenommen. Das Motto der "Lernkaskade" lautet "Lernen durch Vorbilder": Lernschwache jüngere Kinder werden durch ältere Mitschüler/innen ab der Jahrgangsstufe 9 unter Anleitung eines ausgebildeten Studierenden zweimal wöchentlich für je 90 Minuten schulisch unterstützt. Dafür bezahlen die Eltern einen nach Familieneinkommen gestaffelten Beitrag von 20 bis 60 Euro im Monat. Die älteren Schüler selbst wiederum erhalten für ihr Engagement kostenfrei einmal wöchentlich für 90 Minuten durch Studierende einen gezielten Intensivkurs in ihrem Problemfach. Chancenwerk e. V. stellt die studentischen Tutoren ein und bezahlt sie.

Regionaler Chancenfonds gebildet

Zur Finanzierung der seit mehr als zwölf Jahren erfolgreich verlaufenden Aktivitäten in 55 Schulen von sieben Bundesländern bildet der Verein regionale "Chancenfonds". Pro jüngerem Kind, dessen Eltern einen subventionierten Beitrag leisten, benötigt der Verein jährlich 500 Euro. Mit der Förderung von zwei jüngeren Kindern kann zusätzlich ein älteres Kind an der "Lernkaskade" teilnehmen. Außerdem können damit auch solche Kinder mitmachen, deren Eltern keinen monatlichen Beitrag aufbringen können.