FAMILIENBIOGRAFIE PRÄGT LEBENSENTSCHEIDUNGEN

Preisverleihungen für Leuchtturm- und Buchpreis 2012 in Berlin

Veröffentlicht am 21.11.2012
In seinem Festvortrag aus Anlass der Verleihung der Jahrespreise 2012 der Stiftung Ravensburger Verlag in der Berliner Landesvertretung Baden-Württemberg sprach der Chemnitzer Psychologe Prof. Dr. Udo Rudolph über das Thema "Vom Fühlen zum Handeln". Ihm und seinem Team wurde an diesem Abend der mit 8.000 Euro dotierte Leuchtturm-Preis 2012 der Stiftung verliehen. Den mit 12.000 Euro ausgestatteten Buchpreis 2012 der Stiftung nahm der Schriftsteller Sten Nadolny für seinen Familienroman "Weitlings Sommerfrische" entgegen.

Vom Wünschen zum Wollen zum Handeln

Professor Dr. Udo Rudolph, der sich in seiner Forschungsarbeit an der Technischen Universität Chemnitz schwerpunktmäßig mit Motivation und Emotion beschäftigt, setzte sich in seiner Rede mit der "Sprache des Herzens" und dem inneren Antrieb, der Menschen zu Entscheidungen führt, auseinander. "Die Sprache des Herzens, so der häufige Hinweis, gilt als der beste Ratgeber. Zugleich gibt es in unserer Alltagssprache mindestens zwei weitere Sprachen: die des Willens und die des Handelns. Welche innere Reise befähigt uns dazu, vom Wünschen und Wollen zum Handeln zu gelangen, und welche Bedeutung hat hierbei das Fühlen, die Sprache des Herzens?"

Leuchtturm-Preis für Chemnitzer Modellprojekt "Huckepack"

Mit dem Leuchtturm-Preis der Stiftung Ravensburger Verlag werden Projekte, Personen, Einrichtungen ausgezeichnet, die sich besonders für familiäre oder institutionelle Bildung und Erziehung von Kindern und Jugendlichen eingesetzt haben. Der Preis wird nicht öffentlich ausgeschrieben. Preisträger Professor Rudolph stellte am Institut für Psychologie der TU Chemnitz ein besonderes Mentorenprojekt für Kita-Kinder auf die Beine. Hierbei geht es um die Prävention aggressiven Verhaltens. Gefährdete Kinder werden ein Jahr lang in ihrer vertrauten Kita-Umgebung durch Mentorinnen und Mentoren in spielerischen Einzeltrainings zu "Gefühlsdetektiven" ausgebildet. Spezielle Workshops richten sich an die Erzieherinnen und die Eltern. Ein wichtiger Kooperationspartner ist der lokale Kita-Trägerverein Kinder-, Jugend- und Familienhilfe in Chemnitz.

Gewaltprävention im Vorschulalter

Stiftungsvorsitzende Dorothee Hess-Maier erklärte zur Auswahl des Preisträgers 2012: "Der Psychologe Professor Dr. Udo Rudolph hat sich mit seinem Präventionsprojekt große Verdienste in der frühzeitigen Vorbeugung von Aggression bei Kindern und somit auch der Prävention von Gewaltneigung bei Jugendlichen und Erwachsenen erworben. Er verstand es, neben Forschung und Lehre wissenschaftliche Erkenntnisse anhand innovativer Verfahren in die reale Welt von Kindergärten und Familien zu transportieren. Das ganz überwiegend ehrenamtliche Engagement des begleitenden Huckepack-Teams soll mit diesem Preis gewürdigt und gestützt werden. Eine gelungene Prävention kann dazu beitragen, der Gesellschaft Kosten zu ersparen, und ihr volkswirtschaftlicher Nutzen ist nicht zu unterschätzen."

Buchpreis Familienroman für Sten Nadolny

Der ebenfalls jährlich verliehene Buchpreis der Stiftung Ravensburger Verlag ehrt den Autor oder die Autorin einer deutschsprachigen Publikation erzählender Prosa (Roman, Erzählung, Anthologie), die maximal zwei Jahre zuvor erschienen ist. Die Preissumme von 12.000 Euro erhält ein Schriftsteller, "der mit literarischen Stilmitteln ein zeitgenössisches Bild der Familie zeichnet". Der Buchpreis 2012 wurde dem deutschen Schriftsteller Sten Nadolny für seinen Familienroman "Weitlings Sommerfrische" verliehen. "Der Roman führt den Lesern in eindringlicher Weise die Bedeutung der Familienbiografie für den Verlauf des späteren Lebens und die Entscheidungen als Erwachsener vor", sagte Stiftungsvorsitzende Dorothee Hess-Maier.
In seiner Laudatio würdigte Dr. Uwe Wittstock, Literaturchef des Nachrichtenmagazins FOCUS, die besondere literarische Leistung des Autors:
"Sten Nadolny erzählt in seinem Roman von einem Mann, der eine Rechnung offen hat mit seinen Eltern. Wen sollte es wundern, wenn dieser Mann also einige seiner wesentlichen Lebensentscheidungen in Opposition zu den Eltern trifft. Aber wie Nadolny einen autobiographischen Familienroman schreibt und sich selbst darin als jemanden beschreibt, der er gar nicht geworden ist, wie er von Konflikthemen mit den Eltern berichtet, ohne die Eltern je irgendwelchen Vorwürfen auszusetzen, das ist aller literarischen Ehren wert."