Foto: Ingo Heine
Tobias Nolte und Mona Hamed von related e. V. Foto: Ingo Heine
Sie wollen Lernen gerechter machen: Eine Initiative aus Berlin-Neukölln setzt sich für gleiche Bildungs- und Lebenschancen ein, die nicht abhängen von Herkunft oder sozialem Status. Dafür zeichnet die Stiftung Ravensburger Verlag den Verein related e. V. mit dem Leuchtturmpreis Ehrenamt 2025 aus. Gemeinsam vermitteln hier Lehrkräfte und Jugendliche Wissen gegen Bildungsdiskriminierung. Darin schulen die mittlerweile 14 Ehrenamtlichen der 2019 gegründeten Initiative bundesweit. Sie geben vor angehenden Lehrkräften Seminare, treten bei Konferenzen auf und sprechen bei Podiumsdiskussionen darüber, wie sie Kindern zu besseren Startmöglichkeiten verhelfen können. Überreicht wird die mit 15.000 Euro dotierte Auszeichnung den Vereinsmitgliedern Tobias Nolte und Mona Hamed am 24. November 2025 in Berlin beim Festakt zum 25-jährigen Jubiläum der Stiftung Ravensburger Verlag.
„Du schaffst das eh nicht“ – das ist ein Satz, den Mona Hamed nicht mehr hören will. Die junge Neuköllnerin hat selbst erfahren, wie sich ungleiche Chancen in die Bildungsbiografie einschreiben. „Ich habe zu oft gesehen, dass Kindern die Hoffnung und die Motivation genommen wird, ihre Fähigkeiten zu sehen und auszubauen.“ Deshalb sprechen die 22-Jährige und andere engagierte Gleichaltrige seit sechs Jahren in Workshops darüber wie es ist, an einer sogenannten Brennpunktschule zu lernen.
Nicht nur über Kinder und Jugendliche reden, sondern mit ihnen
„Wir wollen zeigen, auf wie vielen Ebenen sich Bildungsungerechtigkeit auswirkt und welche Hürden es für die Kinder innerhalb ihrer Schulzeit gibt“, sagt Tobias Nolte. Der ehemalige Lehrer am Campus Rütli ist Gründungsmitglied von related e. V. Die Idee für den Verein entstand, nachdem der 41-Jährige und seine Kollegen immer wieder nach Erfahrungsberichten über ihre Arbeit an Berliner Kiezschulen gefragt wurden. Zu einseitig erschien ihnen jedoch die Sichtweise alleine aus dem Blickwinkel der Lehrenden. Tobias Nolte: „Wir wollten nicht nur über die Kinder reden, sondern den Raum schaffen, sie kennenzulernen und ihre Belange ernst zu nehmen.“ Seitdem treten die jugendlichen Botschafterinnen und Botschafter und die Lehrkräfte zusammen auf - eine Gemeinschaftsleistung, wie Nolte betont: „related ist ganz viel Teamplay und Zusammenarbeit.“
Engagement mit starkem Zukunftsfokus und überzeugender Umsetzung
„Die Mitglieder der ‚Crew‘ um Tobias Nolte und Mona Hamed wissen, wie Bildung das Leben gestaltet und was es bedeutet, wenn sie ungleich verteilt ist“, sagt Johannes Hauenstein, Vorstand der Stiftung Ravensburger Verlag. „Im Verein related machen sich die 14 Engagierten durch Workshops, Fortbildungen, Vorträge und Seminare, die sie über ganz Deutschland verteilt halten, stark. Sie formulieren mit großer gedanklicher Klarheit Botschaften für tiefgreifende Veränderungen hin zu einer zukunftsorientierten Bildungspolitik – das hat uns sehr beeindruckt.“
Auszeichnung für Initiativen, die das Aufwachsen junger Menschen fördern
Die Stiftung Ravensburger Verlag vergibt den Leuchtturmpreis Ehrenamt jährlich für herausragendes Engagement in der Bildung und Erziehung von Kindern und Jugendlichen – in der Familie, in Institutionen oder im Ehrenamt. Der Preis wird seit 2011 verliehen und würdigt Projekte, die neue Wege gehen, Teilhabe fördern und Orientierung geben.
Festakt in Berlin im November
2025 feiert die Stiftung Ravensburger Verlag mit einer Festveranstaltung 25 Jahre aktives Engagement für Bildung und Erziehung. Bei der Gala in Berlin verleiht sie neben dem Leuchtturmpreis Ehrenamt und dem Buchpreis Familienroman deshalb in diesem Jahr einmalig eine dritte Auszeichnung: einen Sonderpreis für herausragende Bildungsarbeit. Überreicht werden die Ehrungen am 24. November 2025 in der Vertretung des Landes Baden-Württemberg beim Bund. Die Autorin, Journalistin und Menschenrechtsaktivistin Düzen Tekkal hält die Festrede. Sozialminister Manne Lucha eröffnet die Jubiläumsveranstaltung und überbringt die Grüße der Landesregierung von Baden-Württemberg.
Über die Stiftung Ravensburger Verlag: 25 Jahre Engagement für Bildung und Erziehung
Seit ihrer Gründung im Jahr 2000 fördert die Stiftung Ravensburger Verlag Projekte, die Kinder und Familien stärken. Im Zentrum stehen dabei Bildung und Erziehung – Themen, die heute aktueller sind denn je. Zum 25-jährigen Jubiläum richtet die Stiftung den Blick auf das, was in einem Vierteljahrhundert gemeinsamer Arbeit gewachsen ist: wirkungsvolle Projekte, wissenschaftlich fundierte Impulse und vielfältige Ideen, die Anregungen für Bildungslaufbahnen geben wollen.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf den „Klasse.“-Förderwettbewerben, die seit über 15 Jahren Kreativität an Schulen ermöglichen – ohne Leistungszwang, aber mit viel Raum für Ausdruck. Rund 400 Kunstprojekte in ganz Deutschland konnten bisher mit über einer Million Euro gefördert werden.
Darüber hinaus begleitet die Stiftung Bildungs- und Forschungsprojekte, die gesellschaftliche Entwicklungen in den Blick nehmen. Ob frühkindliche Sprachförderung, interkulturelles Lernen, Medienkompetenz oder Fragen familiären Zusammenlebens: Die Stiftung Ravensburger Verlag schafft Räume für Erkenntnis und Austausch, gemeinsam mit Partnern aus Wissenschaft und Praxis.
Verschiedene Auszeichnungen würdigen besonderes Engagement: Der Buchpreis Familienroman ehrt jährlich literarische Werke, die mit stilistischer Tiefe ein zeitgenössisches Bild von Familie zeichnen – berücksichtigt werden dabei Veröffentlichungen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum. Lokale Initiativen in Deutschland, die sich in besonderer Weise für Kinder, Jugendliche oder Familien einsetzen, belohnt der Leuchtturmpreis Ehrenamt. Im Jubiläumsjahr 2025 verleiht die Stiftung zudem einen mit 25.000 Euro dotierten Sonderpreis an die Bildungsstätte Anne Frank als herausragende Bildungsinitiative.
Das alles geschieht mit einem klarem Ziel: Kindern Perspektiven eröffnen, Familien stärken und zur öffentlichen Diskussion über Bildung beitragen.
